WvD
Wissensvermittlung in der Denkmalpflege e.V.

Schmiedeseminar
2.-4.Oktober 2026

Seminar beim Scharfrichterhaus Görlitz

Pläne schmieden, zeigen, wo der Hammer hängt oder das Eisen schmieden, solange es warm ist – die deutsche Sprache kennt erstaunlich viele Redewendungen, die ihren Ursprung im Schmiedehandwerk haben. Wie viel Handwerk, Kraft und Erfahrung tatsächlich hinter diesen Sprüchen steckt, konnten neun Teilnehmer bei unserem Schmiedeseminar im Oktober 2026 in Görlitz selbst erfahren.

Ausschmieden eines Hammerkopfes

Unser Schmied Gregor Kondziela nahm die Teilnehmer mit seiner charmant rauen Art mit in die Welt des traditionellen Schmiedehandwerks. Ein Wochenende lang wurde gehämmert, gebogen, geschrotet, genietet und geschweißt – und natürlich so manches Eisen rechtzeitig aus dem Feuer geholt. An dieser Stelle herzlicher Dank an alle geduldigen Ohren der Nachbarn, die uns auch am Wochenende gewähren ließen in dieses Handwerk einzutauchen.

Gemeinsame Zeit beim Krafttanken

Mit ausreichend Schmiedekoks, Hammer und Zange wurde der Stahl bei rund 1.000 Grad auf dem Amboss in Form gebracht. Zum Herantasten an das Material entstanden zunächst Vierkantspitzen, Blätter, Nägel, Kerzenhalter und Flaschenöffner. Die Teilnehmer, die teilweise bereits erste Schmiedekenntnisse mitbrachten, konnten sich ganz individuellen Herausforderungen stellen – je nach Interesse, handwerklichem Geschick und dem, was die Armmuskeln bereit waren zu leisten.

So wurden unter anderem elegant gebogene und verzierte Wandkerzenhalter gefertigt, bei denen auch das Nieten geübt wurde. Weitere Themen waren das Feuerschweißen zum Verbinden von Kettenringgliedern sowie das Ausschmieden eines Hammerkopfes. Gregor Kondziela zeigte außerdem, wie sich gleichmäßige Windungen in das glühende Eisen drehen lassen und wie man richtig schrotet – also Stahl an einem Gesenk abtrennt.
Dabei wurde schnell deutlich, wie viel Wissen, Erfahrung und Fingerspitzengefühl notwendig sind, um aus einem einfachen Stück Stahl ein Werkzeug oder ein kunstvoll gestaltetes Werkstück entstehen zu lassen. Auch die Theorie kam nicht zu kurz: Wir erfuhren, warum zum Schmieden spezieller Schmiedekoks verwendet wird und weshalb beispielsweise Grillkohle dafür ungeeignet ist. Spannend war auch der Einblick in die aufwendige Gewinnung von Raseneisenerz durch unsere Vorfahren und damit in die lange Geschichte der Eisenverarbeitung.

Der große Arbeitseifer forderte allerdings auch seinen Tribut – die eine oder andere Blase an den Händen ließ sich nicht vermeiden. Am Freitagabend lauschten wir den Anekdoten aus Gregor Kondzielas langjährigem Berufsleben. Besonders beeindruckten seine dokumentierten, größtenteils denkmalerhaltenden Arbeiten, darunter ornamentale Balkonbrüstungen, Türbeschläge und Zaunelemente.
Außerdem bewies uns Gregor Kondziela einem Video über die „Ambospolka“, wie vielseitig dieses Handwerk sein kann: Bei diesem außergewöhnlichen Orchesterauftritt wird am offenen Feuer im Takt des Schmiedeschlags musiziert.
Unser besonderer Dank gilt der Jugendbauhütte Sachsen für ihre Unterstützung an diesem Wochenende. Es ist für uns immer wieder etwas Besonderes, an einem so geschichtsträchtigen Ort wie dem Scharfrichterhaus mit seinem unverwechselbaren Flair arbeiten zu dürfen.
Uns ist es ein wichtiges Anliegen, handwerkliche Seminare möglichst kostengünstig anzubieten und damit möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, traditionelle Handwerkstechniken selbst auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu sammeln. Dass dies auch bei diesem Seminar möglich war, verdanken wir nicht zuletzt der tatkräftigen Unterstützung des Denkmalnetzes Sachsen. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken.

(Lisa Hallex, Stand Oktober 2026.)